Wie läuft das ab?

Wenn du dich dazu entschlossen hast, zu einer Beratungsstelle zu gehen und dir helfen zu lassen, musst du keine Angst haben, dass jemand etwas davon erfährt.

Auf deinen Wunsch hin bleibt alles anonym. Dort arbeiten Beratungs-Profis, die dir zuhören und dir sagen, wie du dich am besten verhalten sollst oder was du machen kannst.

Du kannst ja erst einmal zu einem Beratungsgespräch gehen und über deine Situation sprechen. Dann kannst du dir anhören, was sie vorschlagen und überlegen, ob du wiederkommst oder nicht. Wenn du wirklich willst, dass sich deine Situation ändert, ist es sinnvoll, dauerhafte Hilfe und Unterstützung anzunehmen.

In weiteren Gesprächen wird dann mit dir abgeklärt, welche Möglichkeiten es gibt, um deine Situation zu verbessern. Es besteht beispielsweise die Möglichkeit, dass du die Person, die dir gegenüber Gewalt verübt hat, bei der Polizei anzeigst. Die Entscheidung dafür triffst aber alleine du, niemand kann dich zu so einem Schritt zwingen. Du wirst über deine Rechte aufgeklärt und wenn du magst, wirst du dabei unterstützt, weitere Kontakte herzustellen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Beratungsstellen helfen dir auch gerne im Umgang mit Behörden und bei Terminen mit der Polizei und bei Gericht. Du wirst dabei unterstützt, wieder ein normales Leben ohne Angst führen zu können und ohne, dass du dich für das, was dir widerfahren ist, schämen musst.

Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil: Es beweist Mut und Stärke – die Stärke, für die eigenen Probleme einzutreten und beängstigende Situationen zu bewältigen.

Sarah

„Oh Mann, ein riesengroßes Veilchen ums Auge… Ich hatte einen ziemlich heftigen Streit mit Patrick, meinem Schwarm. Wir haben uns erst gegenseitig angeschrien und diskutiert. Aber auf einmal rastete er aus und schleuderte mir eine volle Plastikflasche entgegen – Zack, mitten ins Gesicht. Oh Gott was hat mein Kopf gedröhnt. Weil ich so perplex war, musste ich mich erstmal hinsetzen. Später hat sich Patrick tausend Mal entschuldigt, aber in der Situation hatte ich Angst, dass er vielleicht sogar weiter auf mich einschlägt. Ich solle das ja niemandem erzählen, hat er dann bei der Entschuldigung gesagt!

Aber vor meiner Mutter zuhause konnte ich den blauen Fleck ja schlecht verstecken. Sie war richtig geschockt und ist gleich mit mir ins Krankenhaus gefahren. Ich wollte das erst gar nicht, weil ich Patrick ja auch keinen Ärger machen wollte und peinlich war mir das auch. Der Arzt im Krankenhaus hat dann aber gesagt, dass es gut war, dass ich gekommen bin. Auch bei leichteren Verletzungen ist es ganz wichtig abzuklären, dass man keine innerlichen Schäden davon getragen hat, die man nicht immer gleich sehen oder fühlen kann, hat er gesagt. Daran hatte ich selbst gar nicht gedacht.

Das hätte er aber schon bei vielen Betroffenen von Gewalt gesehen: Sie wollten zunächst immer denjenigen schützen, der ihnen das angetan hat und stellten dabei den Schutz dieser Person über die eigene Gesundheit. Mh, ja… So habe ich mich ja auch gefühlt, ich bin also gar nicht alleine damit… Ich war im Nachhinein dann ziemlich froh, dass meine Mutter nicht gezögert hat und wir gleich Hilfe gesucht haben. Die Beziehung zu Patrick habe ich beendet. Schließlich war es nicht das erste Mal, dass er ausgerastet ist und wer weiß, wie das weiter gegangen wäre.“

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